Einführung in die Zeitung:
Aufgaben - Struktur des Tageszeitungsmarktes
Die politische Funktion der Medien
Massenmedien haben eine wichtige Rolle im Prozess der demokratischen Meinungs- und Willensbildung. Ihre politische Funktion besteht vor allem in
-wahrheits- und sachgemäßer Information und Aufklärung der Bürger,
-Mitwirkung an der Meinungsbildung,
-Kontrolle und Kritik der politischen Machtausübung.
Heute erzielt öffentliche Aufmerksamkeit vor allem das, was durch die Medien geht. Pressefreiheit und Vielfalt der Medien sind also für eine funktionierende Demokratie lebenswichtig.
Die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit ist durch das Grundgesetz in Artikel 5 gesichert. Die rechtliche Stellung der Presse ist darüber hinaus in den Landespressegesetzen der Bundesländer geregelt.
Die rechtlichen Eckpfeiler der Pressefreiheit:
-Es gibt keinerlei staatliche Reglementierung der Presse durch Zulassungsverfahren, Zuteilung von Papier oder Unterbindung von Nachrichtenquellen.
-Eine Zensur findet also nicht statt. Staatliche Stellen können den Inhalt eines Presseorgans nicht vor dem Erscheinen kontrollieren. Die Zeitung könnte höchstens nach Erscheinen beschlagnahmt werden, wenn Inhalte gegen wichtige gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Die Beschlagnahme kann nur von einem Richter angeordnet werden.
-Behörden und staatliche Stellen sind verpflichtet, Medien Auskunft zu geben. Ausnahmen bilden Geheimhaltungsvorschriften, Eingriffe in schwebende Verfahren oder schutzwürdige private Interessen. In diesen Fällen können sie die Auskunft verweigern.
-Journalisten haben gegenüber Polizei und Gericht ein Zeugnisverweigerungsrecht. Sie sind nicht verpflichtet, ihre Informanten und Quellen offen zu legen.
Um die Funktion bei der demokratischen Meinungsbildung erfüllen zu können, muss Vielfalt in der Medienlandschaft gewährleistet sein. Damit ist gemeint, dass es möglich sein muss, sich aus unterschiedlichen Quellen zu informieren. Dazu ist ein entsprechendes Angebot an Medien nötig. Vielfalt sichert die Meinungsfreiheit und ermöglicht, dass tatsächlich alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen und geistigen Richtungen zu Wort kommen. Das Vielfaltsgebot bezieht sich auf das Gesamtangebot der Berichterstattung in allen Medien, nicht auf jeden einzelnen journalistischen Beitrag oder auf jede einzelne Zeitung.
Bei Printmedien geht die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts davon aus, dass der Markt der konkurrierenden Verlage selbst für Vielfalt sorgt. (Auf den Rundfunk gehen wir hier aus Platzgründen nicht ein.)
Struktur des Tageszeitungsmarkts in Deutschland
In Deutschland gibt es traditionell sehr viele lokale und regionale Abonnementzeitungen und wenige überregionale Zeitungen.
Insgesamt erscheinen in Deutschland täglich 1.576 Ausgaben von Tageszeitungen mit einer Auflage von fast 25 Millionen Exemplaren, davon sind 17,3 Milionen Exemplare lokale und regionale Abonnenmentszeitungen. Viele Lokal- und Regionalzeitungen arbeiten zusammen und übernehmen die überregionalen Seiten von anderen Zeitungen.
135 Zeitungen geben auch einen eigenen Mantel (überregionaler Teil der Zeitung) heraus, sie werden als publizistische Einheiten bezeichnet. 1954 gab es in der alten Bundesrepublik 225 publizistische Einheiten, 1995 waren es nur noch 135 einschließlich der ehemaligen DDR (1989 gab es auf dem Gebiet der DDR noch 37 publizistische Einheiten, mittlerweile sind es nur noch 19).
Eine weitere Kategorie sind Verlage als Herausgeber: Hier werden alle Zeitungen zusammengefasst, bei denen im Impressum der gleiche Verlag bzw. Herausgeber ausgewiesen wird. Die Verlage bestimmen in ihrer Eigenschaft als Herausgeber die Richtlinien der Zeitung und nehmen damit Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der Zeitung.
355 Verlage geben in Deutschland Zeitungen heraus. 1954 waren es in der alten Bundesrepublik noch 624 Verlage.
Betrachtet man die Pressevielfalt auf lokaler Ebene, so ist interessant, wie viele konkurrierende Zeitungen in einem Verbreitungsgebiet erscheinen. In Deutschland gibt es 242 Kreise und kreisfreie Städte, in denen nur eine einzige Lokalzeitung erscheint (Einzeitungskreise). In 197 Kreisen bzw. kreisfreien Städten machen sich zwei oder mehr Zeitungen in der lokalen Berichterstattung Konkurrenz.
Bei Großstädten über 100.000 Einwohner gibt es 30 Städte, in denen nur eine Tageszeitung erscheint (z.B. Saarbrücken, Kassel, Osnabrück, Kiel oder Regensburg). In 43 Städten erscheinen zwei Tageszeitungen mit Lokalteil, davon gehören die Zeitungen in 15 Städten der gleichen Verlagsgruppe an, in Hannover und Stuttgart zum Beispiel. Einzig in Berlin sieht die Situation (noch) deutlich anders aus: Hier gibt es vier konkurrierende Abonnementzeitungen und zusätzlich mehrere Straßenverkaufszeitungen.
Minden gehört zu den Kreisen, in denen es mehr als eine lokale Tageszeitung gibt: das Mindener Tageblatt (MT) und das Westfalenblatt. Im Kreis Minden-Lübbecke kommt noch die Neue Westfälische hinzu. In Randbereichen erscheinen weitere Zeitungen: Die Harke im Südkreis Nienburg, im Landkreis Schaumburg die Schaumburger Nachrichten und die Schaumburg-Lippische Zeitung und in Vlotho der Vlothoer Anzeiger.
Das Mindener Tageblatt ist eine lokale Abonnementzeitung, denn es erscheint in einem regional begrenzten Gebiet. Die Zeitung wird überwiegend im Abonnement bezogen und hat eine verbreitete Auflage von derzeit rund 40.000 Exemplaren. Wie jede Tageszeitung hat das MT mehr Leser als Käufer. Nach Ergebnissen der Marktforschung wird davon ausgegangen, dass jedes Zeitungsexemplar von etwa drei Menschen gelesen wird, das MT erreicht demnach täglich mehr als 120.000 Menschen.
Das Mindener Tageblatt gibt es seit 1856. Gründer war Julius Christian Conrad Bruns, bis 1877 Drucker, Verleger und Chefredakteur in einer Person. Das MT erscheint heute in der J.C.C. Bruns Betriebs-GmbH. Verleger und Herausgeber ist Rainer Thomas, Chefredakteur Christoph Pepper.
Das Mindener Tageblatt gehört zu den wenigen Tageszeitungen seiner Auflagenstärke, die sowohl die lokalen Seiten als auch die allgemeinen Seiten wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport selbstständig produzieren. Viele kleinere lokale Abonnementzeitungen beziehen die allgemeinen Seiten (auch Mantel genannt) von einer anderen, größeren Tageszeitung und erstellen "nur" die lokalen Seiten im eigenen Haus.
Die Verantwortlichen für die einzelnen Ressorts des Mindener Tageblatts stehen im Impressum. Für den Mantel und den lokalen Teil gibt es ein gemeinsames Impressum auf der Seite 2 (Politik) unten rechts. Die Ansprechpartner in der Lokalredaktion stehen mit ihren Durchwahlnummern links unten auf der ersten Lokalseite. Beim Mindener Tageblatt arbeiten sieben Redakteurinnen und siebzehn Redakteure, eine Volontärin und zwei Volontäre sowie etwa 250 freie Mitarbeiter, von denen etwa 30 regelmäßig Beiträge liefern.
Lokale Abonnementzeitungen sind in der Regel aufgeteilt wie überregionale Tageszeitungen, d.h. sie gliedern sich in einen sog. Mantelteil für überregionale Berichterstattung, in einen Lokalteil sowie in Sport- und Anzeigenteil. Zu den Grundressorts des Mantelteils gehören Politik, Wirtschaft, Kultur, Vermischtes. Diese einzelnen Teile werden auch Bücher genannt. In der Regel befindet sich der Mantelteil im ersten Teil/Buch der Zeitung. Es folgen der Lokalteil und die anderen Seiten. Beim Mindener Tageblatt ist das anders: Entsprechend dem hohen Interesse der Leserschaft am lokalen Geschehen beginnt die lokale Berichterstattung schon auf der dritten Seite des ersten Buches.
Der Umfang der Zeitung ist nicht jeden Tag gleich. Je nach aktuellem Geschehen kann ein Ressort "zulegen". Montags und samstags ist der Sportteil in der Regel umfangreicher als an den übrigen Tagen der Woche, weil am Wochenende viele Sportereignisse stattfinden. An manchen Tagen erscheinen Beilagen. Freitags ist dem Mindener Tageblatt das Fernseh-Wochenprogramm Prisma beigelegt. Am Samstag gibt es das Wochen-Journal, das ein Schwergewicht auf unterhaltende Beiträge, Reportagen und Service legt. Im Journal finden sich die Kinderseite, die Jugendseite "Szene" und eine Seite rund ums Kino. Eine Doppelseite informiert über die Veranstaltungen in der nächsten Woche.
Auch das Anzeigenaufkommen ist nicht jeden Tag gleich. Vor allem samstags gibt es eigene Anzeigenteile (-bücher). Zum Wochenende erscheinen neben dem Stellenmarkt die "Job-Börse Ostwestfalen-Lippe" und Kleinanzeigen. In loser Folge werden auch Anzeigen-Sonderbeilagen zu Themen wie "Bauen und Wohnen" oder "Garten" veröffentlicht. Die Anzeigen sind aufgeteilt in Rubriken wie Verkäufe, Stellenangebote, Immobilien, Tiermarkt, Geschäftsanzeigen, Bekanntschaften, Heirat, Kraftfahrzeuge und Verschiedenes.
Die einzelnen Zeitungsseiten widmen sich einem Themenbereich (Politik, Wirtschaft, Lokales, Fernsehen...). Schon der Titel, z.B. Sport oder Kinder, verrät den inhaltlichen Schwerpunkt oder die Zielgruppe, die mit der Seite angesprochen werden soll. Eine Ausnahme bildet die Titelseite. Sie ist das Schaufenster der Zeitung und gibt einen Überblick über die wichtigsten und interessantesten Themen des Tages. Schwerpunkt bilden die Bundes- und internationale Politik, aber auch regionale Informationen, Sport und "bunte" Themen finden sich mitunter auf der ersten Seite.
Nicht alle Seiten erscheinen täglich. Die Jugendseite Szene steht am Dienstag und am Samstag im Blatt. Neben Termin- und Konzerttipps liegt dienstags der Schwerpunkt auf lokalen Themen, samstags hat Musik einen größeren Stellenwert. Jugendredakteurin Sabine wird von der Jungen Redaktion unterstützt, bei der alle Jugendlichen, die Lust haben, mitmachen können. Botschaften und Grüße an Freunde und Bekannte können Jugendliche in der Szene-Grußbox veröffentlichen. Die kostenlose Kleinanzeigenrubrik erscheint vier- bis fünfmal wöchentlich auf einer Anzeigenseite.
Regelmäßig gibt es Sonderseiten zu Themen wie Multimedia, Recht im Alltag, Kino aktuell oder Bücher. Bei aktuellen Anlässen informiert die Redaktion zusätzlich auf Sonderseiten.
Seit 1. Dezember 1999 erscheint das Mindener Tageblatt in neuem Gewand: ein Farbleitsystem erleichtert die Orientierung in der Zeitung und die Schrifttypen wurden verändert. Die Veränderungen in der Gestaltung beschreiben wir im Kapitel Lay-out. Auch inhaltlich hat sich einiges verändert: Die Fernsehseite präsentiert sich nun als informativer, aktueller Programmkalender. Der Fortsetzungsroman wurde abgeschafft, dadurch hat das bunte Ressort "Querbeet/Vermischtes" eine halbe Seite mehr Platz. Das Wochen-Journal am Samstag hat sich stark verändert und ist service-orientierter geworden: neu sind die Seiten Reise, Auto&Mobil und Kino. Die Kinderseite ist gründlich überarbeitet worden und eine Doppelseite informiert über die wichtigsten Veranstaltungen der Woche. Unterhaltung bietet eine ganze Seite Comics.